Die Musikbranche begrüßt KI. Bitte verlassen Sie das Gebäude.

Die Musikbranche hat sich entschieden: Künstliche Intelligenz ist die Zukunft.

Zumindest auf Panels.

Auf Konferenzen wird erklärt, wie wichtig Innovation ist. In Interviews wird betont, dass man offen für neue Technologien sei. In Keynotes wird darüber gesprochen, dass man den Wandel aktiv gestalten müsse. 

Anschließend wird vorsorglich geprüft, ob der Wandel bereits das Gebäude betreten hat.

Die Branche liebt KI. Solange sie in PowerPoint-Präsentationen stattfindet.

Kommt KI jedoch in Form eines Startups, eines Wettbewerbs oder gar einer Gruppe motivierter Menschen daher, wird die Situation kompliziert. Dann beginnt der traditionelle Innovationsprozess der Musikindustrie:

Ignorieren.

Nicht antworten.

Weiter ignorieren.

Hausverbot.

Besonders faszinierend ist dabei die offizielle Argumentation. Niemand ist gegen KI. Man möchte lediglich einen verantwortungsvollen Umgang damit fördern.

„Verantwortungsvoll“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Technologie exakt so eingesetzt wird, dass bestehende Machtstrukturen, Einnahmequellen und Zuständigkeiten unangetastet bleiben.

Die Branche ist schließlich offen für Veränderung. Solange sich nichts verändert.

Dabei wird häufig übersehen, dass viele der lautesten KI-Kritiker nachts heimlich selbst experimentieren. Tagsüber warnen sie vor den Gefahren generativer Musik. Abends laden sie neugierig den fünften KI-Track des Tages hoch, nur um zu sehen, „wie weit die Technik schon ist“.

Morgens wird wieder erklärt, dass echte Kreativität nicht automatisiert werden kann.

Nachmittags fragt man einen Chatbot nach Formulierungen für die nächste Pressemitteilung.

Die Wahrheit ist vermutlich viel banaler: Es geht selten um Kunst gegen Maschine. Es geht um Kontrolle gegen Kontrollverlust.

Die Musikindustrie hat in ihrer Geschichte nahezu jede technische Neuerung zunächst skeptisch betrachtet. Das Radio. Das Tonband. Die CD. MP3. Streaming. Social Media.

Heute sind alle selbstverständlich.

Morgen wird man rückblickend feststellen, dass KI ebenfalls selbstverständlich geworden ist.

Bis dahin werden noch zahlreiche Panels stattfinden, auf denen die Branche ihre Offenheit für Innovation betont.

Und vorsichtshalber prüft, ob die Innovatoren draußen geblieben sind. (ck)

 

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