OnPlug Artist Interview: Dirk Wortmann
Dieser kreative Kopf ist auch KiBeats Records aufgefallen und hat ihn ebenfalls gleich unter Vertrag genommen. Natürlich mussten wir ihm auch unsere berühmten Fragen stellen, obwohl er vor uns sogar ins Ausland geflohen ist :-:
Wer bist du und wie bist du auf die Idee gekommen, AI in deine Musikproduktion einzubinden?
Mein Name ist Dirk Wortmann, ich bin 59 Jahre alt oder jung und Musik ist bei mir nicht nur Leidenschaft, sondern sie beeinflusst seit fast 50 Jahren mein Leben. Angefangen hat alles schon als kleiner Junge, als ich vor dem Kassettenrekorder saß und Sendungen wie die MAL Sandocks Hitparade oder die Schlagerrallye mitgeschnitten habe. Dass ich einmal als DJ arbeiten möchte, wusste ich schon mit 12 Jahren. Mit 18 Jahren habe ich dann in Szene-Diskotheken im Ruhrgebiet angefangen aufzulegen und dies bis vor einem Jahr 40 Jahre lang getan. Nebenbei habe ich immer wieder in kleinen lokalen Bands Gitarre oder Bass gespielt. Schon damals habe ich Songs geschrieben, die aber oft von den Sängern (nee, ich sing dann lieber meinen eigenen Text) abgelehnt worden sind. So haben sich im Laufe der Jahre über 100 Songs (bzw. Texte) angesammelt. Als ich dann im Spätsommer 2024 von den ersten KI-gestützten Seiten erfahren habe, begann meine Leidenschaft für's komponieren erneut. Ende 2024 erschien dann mein erstes Album und mittlerweile sind einige dazu gekommen. Da ich einen breit gefächerten Musikgeschmack habe, produziere ich Musik für meine drei Lieblingsmusikrichtungen unter verschiedenen Pseudonymen. Unter meinem eigenen Namen entstehen Deutschpop/Rock-Songs mit möglichst anspruchsvollen oder lustigen Texten, unter dem Namen „Distant Wounds“ produziere ich Alternative Rock, Grunge, NuMetal etc. und unter dem Namen „Lakrid“ entstehen elektronische Songs.
Wie beeinflusst die AI deine musikalische Identität und deinen persönlichen Stil?
Ich versuche mich so wenig wie möglich von einer KI beeinflussen zu lassen. Ich schreibe auch alle Texte komplett ohne Hilfe von einer KI. Jeder muss selber wissen, wie er Texte schreibt, aber mir würde die persönliche Bindung zu den Songs fehlen, wenn ich den Text nicht komplett selber schreiben würde. Oft habe ich auch schon beim Schreiben den Rhythmus des Songs im Kopf, den ich dann versuche, mit Hilfe von einer KI genauso zu produzieren. Das hat natürlich den Nachteil, dass ich an Texten auch schon einmal monatelang arbeite.
Wie reagieren deine Fans auf die Kombination aus menschlicher und künstlicher Kreativität?
Da gibt es die eine Seite, die das vollkommen ok findet und die andere Seite, die das komplett ablehnt, und mir laufend rät, doch wieder in einer Band zu spielen. Dazu habe ich aber in meinem mittlerweile gehobenen Alter überhaupt keine Lust mehr.
Welche Vorteile und Herausforderungen siehst du in der Zusammenarbeit mit AI im Vergleich zu traditionellen Musikmethoden?
Ich muss keine Kompromisse mehr schließen, da ich ganz alleine für das Ergebnis verantwortlich bin. Ich kann mich an stundenlangen Diskussionen im Proberaum erinnern, wie doch ein Song zu klingen hat. Da trafen dann oft die Meinungen von 4 oder 5 Musikern aufeinander. Fürchterliche Zeitverschwendung! :-)
Kannst du ein Beispiel nennen, bei dem die AI eine überraschende oder unerwartete musikalische Idee eingebracht hat?
Ja, das gibt es natürlich. Wie ich schon sagte, habe ich oft beim Schreiben des Textes den Rhythmus im Kopf. Aber es gibt auch Songs, wo ich dann irgendwann sage: Nee, so wird das nichts. Und dann gebe ich der KI einfach mal ganz andere Prompts und lasse mich überraschen, was daraus wird.
Wie denkst du, wird AI die Musikindustrie in den nächsten zehn Jahren verändern?
Erheblich. Irgendwann werden KI-gestützte Songs in den Charts in der Mehrheit sein. Schon jetzt hört man ja, wenn der Song gut gemacht ist, keinen Unterschied mehr. Die Maschine wird immer besser. Warum dann noch eine Band gründen, wenn die KI das genauso gut oder oft auch noch besser kann?
Siehst du ethische Fragen oder Bedenken im Einsatz von AI in der Musik?
Die sehe ich dann, wenn Künstler ihre Musik zu großen Teilen nur noch von einer KI produzieren lassen. Der Rhythmus, die Instrumentalisierung wird ja eh schon künstlich erzeugt. Muss man sich dann auch den Text noch komplett von der KI vorgeben lassen? Ich denke nicht. Aber das muss jeder für sich selber ausmachen. Vielleicht würde ich das anders sehen, wenn ich nicht schon in vielen Bands gespielt hätte und es mir nicht einfach fallen würde, Texte zu schreiben. Ich liebe es einfach, mit einem Zettel und einem Kugelschreiber im Schaukelstuhl oder in Spanien am Pool zu sitzen und zu schreiben.
Welche Tipps würdest du anderen Künstlern geben, die AI in ihre kreative Arbeit integrieren möchten?
Übertreibt es nicht. Geht behutsam mit einer KI um, lasst eure eigene Note immer im Vordergrund stehen. Arbeitet lieber etwas länger an einem Song und lasst ihn atmen. Erst eben habe ich gelesen, dass ein „Künstler“ unheimlich stolz darauf war, in vier Monaten fünf Alben produziert und veröffentlicht zu haben. Ich habe mir ein paar Songs angehört, das reichte schon. Vor allem hat Stolz hier meiner Meinung nach überhaupt nichts zu suchen. Ich freue mich, wenn ich ein paar nette Songs geschrieben habe, die anderen Menschen gefallen. Nicht mehr, nicht weniger! Guten Abend! :-)
Vielen Dank für das tolle Statement, Dirk! Weiterhin viel Erfolg mit Deiner Musik! :-)
Musikalisch darf man sich hier überzeugen: https://kibeats.com/artist/45/dirk-wortmann




