OnPlug Artist Interview: Christian Westerwald / Westermood

Er ist noch relativ neu dabei und sprüht vor Kreativität. Daher haben wir es uns nicht nehmen lassen, Euch diesen Künstler vorzustellen:

Wer bist du und wie bist du auf die Idee gekommen, AI in deine Musikproduktion einzubinden?

Mein Name ist Christian Westerwald, ich bin 37 Jahre alt und lebe mit meiner Frau und unseren zwei kleinen Töchtern, 3 Jahre und 11 Monate, in Offenbach am Main. Im Alltag arbeite ich als Projekt- und Eventmanager. Musik begleitet mich aber schon seit vielen Jahren und war für mich immer mehr als nur ein Hobby.

Als Hobbymusiker habe ich in der Vergangenheit unter anderem eine Betriebsband gegründet, die inzwischen ins 15. Jahr geht. Außerdem engagiere ich mich in verschiedenen musikalischen Projekten und singe als Tenor in einem modernen Chor. Musik war für mich schon immer eine Möglichkeit, Gefühle auszudrücken, für die Worte manchmal nicht ausreichen.

Der eigentliche Impuls, AI in meine Musikproduktion einzubinden, kam in einer persönlich sehr herausfordernden Phase. Durch die erneute Elternzeit meiner Frau standen wir als Familie vor neuen organisatorischen und finanziellen Fragen. Ich hatte zeitweise zwei Jobs und 48-Stunden-Wochen, bis ich irgendwann gemerkt habe: So kann es nicht weitergehen. Ich wollte finanzielle Sicherheit schaffen, aber gleichzeitig mehr Zeit für meine Familie haben und meine Leidenschaft für Musik nicht verlieren.

Genau in dieser Zeit zeigte mir ein Freund ein Musikprojekt, das er mit Suno erstellt hatte. Dieser Moment hat bei mir etwas ausgelöst. Es war kein fertiger Plan, eher ein Funke. Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass sich eine neue Tür öffnet. Eine Möglichkeit, Musik, Familie, Kreativität und neue Technologie anders miteinander zu verbinden.

So ist Westermood entstanden. Für mich ist Musik eine Sprache der Gefühle. Und genau diese Sprache möchte ich mit Westermood weiterentwickeln.

 

Wie beeinflusst die AI deine musikalische Identität und deinen persönlichen Stil?

AI hat mich bei meiner musikalischen Identitätsfindung sehr stark unterstützt. Gerade am Anfang war es für mich fast überwältigend. Ich hatte plötzlich das Gefühl, mich ohne Grenzen durch Musik bewegen zu können. Es war ein bisschen wie bei einem Kind, das die Welt neu entdeckt: Alles ist möglich, alles klingt erreichbar, jede Idee kann plötzlich hörbar werden.

Diese Erfahrung hat meinen musikalischen Horizont enorm erweitert. Ich konnte Genres, Stimmungen, Instrumentierungen und Klangwelten ausprobieren, die vorher für mich praktisch kaum erreichbar gewesen wären. Gleichzeitig habe ich schnell gemerkt, dass genau darin auch eine Gefahr liegt. Wenn alles möglich ist, muss man umso genauer wissen, wer man selbst ist.

Mir ist wichtig, AI nicht einfach als Kopiermaschine oder Ersatz zu nutzen. Nach meiner ersten Aha-Phase mit Suno habe ich mich gefragt: Wie kann ich diese Technologie in meinem eigenen Sinn einsetzen? Dabei haben sich für mich vor allem zwei Bereiche herauskristallisiert: Bedarfsmusik und Moodmusic.

Mich interessiert Musik, die einen Zweck erfüllt, ohne seelenlos zu sein. Musik, die Stimmungen trägt. Musik, die Räume schafft, die Menschen emotional abholt. Für mich bleibt der Kern immer derselbe: Musik ist eine Sprache der Gefühle.

 

Wie reagieren deine Fans auf die Kombination aus menschlicher und künstlicher Kreativität?

Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Gerade im privaten Umfeld gibt es im Grunde drei Gruppen.

Die erste Gruppe lehnt AI-Musik sehr klar ab. Sie sieht darin eine Bedrohung für Kunst, Kreativität und Musikerinnen und Musiker. Diese Haltung kann ich teilweise sogar nachvollziehen, weil viele Ängste nicht einfach aus der Luft gegriffen sind.

Die zweite Gruppe akzeptiert das Thema, möchte aber selbst keine Berührungspunkte damit haben. Sie hört vielleicht zu, findet es interessant, bleibt aber auf Abstand.

Und dann gibt es eine dritte Gruppe, die wirklich fasziniert ist. Freunde, die neugierig nachfragen, die wissen wollen, wie so ein Song entsteht, wie viel eigener Einfluss darin steckt und wo die Grenzen liegen. Interessanterweise kommen viele aus dieser Gruppe aus dem IT-Bereich. Vielleicht, weil dort ein stärkeres Verständnis dafür vorhanden ist, dass Technologie nicht automatisch Kreativität ersetzt, sondern auch neue Werkzeuge schaffen kann.

Für mich ist diese Mischung spannend. Sie zeigt, dass AI-Musik nicht nur ein technisches Thema ist, sondern auch ein emotionales und kulturelles.

 

Welche Vorteile und Herausforderungen siehst du in der Zusammenarbeit mit AI im Vergleich zu traditionellen Musikmethoden?

Ein großer Vorteil ist die Geschwindigkeit und Verfügbarkeit. Ideen lassen sich sehr schnell hörbar machen. Man kann Klangwelten ausprobieren, Stimmungen testen und musikalische Ansätze entwickeln, ohne sofort ein komplettes Studio, Musikerinnen, Musiker oder ein großes Budget zu benötigen.

Aber für mich geht es nicht nur um Effizienz. AI kann auch den eigenen Horizont erweitern. Sie zwingt mich dazu, Musik anders zu beschreiben. Durch Prompting entsteht eine neue Sprache für Musik. Neben Noten, Akkorden und klassischen Produktionsbegriffen übersetzt man plötzlich Gefühle, Bilder, Energie, Atmosphäre und Dynamik in Text. Das finde ich unglaublich spannend.

Ich glaube sogar, dass Musik dadurch in manchen Fällen persönlicher werden kann, weil man sich sehr bewusst fragen muss: Welche Stimmung will ich eigentlich erzeugen? Was soll der Song emotional auslösen? Wo soll er tragen, wo soll er brechen, wo soll er überfordern?

Natürlich gibt es auch Herausforderungen. AI kann schnell generisch werden. Man landet leicht in einem musikalischen Mainstream, den man erst einmal durchbrechen muss. Außerdem bleibt die Frage der Kontrolle wichtig. Wer führt wen? Leite ich die AI — oder lässt man sich von der AI leiten?

 

Kannst du ein Beispiel nennen, bei dem die AI eine überraschende oder unerwartete musikalische Idee eingebracht hat?

Für mich ist die Erstellung eines Songs immer eine Reise. Meistens starte ich mit einem Konzept, einem Briefing und einem Songtext. Ich habe also eine klare Richtung im Kopf. Trotzdem gibt es immer wieder Momente, in denen die AI etwas erzeugt, bei dem ich denke: Wow, darauf wäre ich selbst gerade nicht gekommen.

Ein Beispiel ist meine EP „Die Reise“. Beim Track „Aufbrechen“ hat die AI im Vergleich zu den anderen beiden Songs einen deutlich moderneren Ansatz im Beat und in der musikalischen Ausrichtung vorgeschlagen. In Kombination mit den eher klassischen, cinematischen Einflüssen entstand dadurch eine Spannung, die ich sehr interessant und passend fand.

Solche Momente sind für mich wertvoll. Nicht, weil ich sie ungefiltert übernehme, sondern weil sie neue Perspektiven öffnen. Gleichzeitig kämpfe ich immer wieder mit einer Art AI-Mainstream. Das ist der Punkt, an dem die eigentliche Arbeit beginnt: nachschärfen, führen, verwerfen, neu denken und den eigenen Stil wieder stärker hineinbringen.

 

Wie denkst du, wird AI die Musikindustrie in den nächsten zehn Jahren verändern?

Ich glaube, AI wird zu einem festen Bestandteil der Musikproduktion werden. Noch gibt es technische Grenzen, aber viele davon werden sich in den nächsten Jahren verschieben. Wenn Stems wirklich sauber getrennt werden können, wenn Transkription und gezielte Bearbeitung innerhalb der Anwendungen besser funktionieren, dann wird AI-Musik deutlich professioneller und kontrollierbarer werden.

Ich denke, dadurch wird sich auch die Rolle von Musik verändern. Weil Musik immer schneller und in riesiger Menge verfügbar wird, wird die Verbindung aus Bild, Geschichte, Persönlichkeit und Kontext wichtiger. Es wird nicht mehr nur darum gehen, dass ein Song existiert, sondern auch darum, warum er existiert, und was dahintersteht.

Handgemachte Musik wird dadurch nicht verschwinden. Aber sie könnte sich stärker zu einem Erlebnis entwickeln: Konzerte, echte Begegnungen, Persönlichkeit, Live-Energie. Gleichzeitig wird AI viele neue Möglichkeiten eröffnen, besonders für Menschen, die bisher keinen Zugang zu professioneller Musikproduktion hatten.

Für mich ist AI-Musik Teil der Digitalisierung und gleichzeitig eine Revolution. Sie wird verändern, wie wir Musik denken, produzieren und bewerten.

 

Siehst du ethische Fragen oder Bedenken im Einsatz von AI in der Musik?

Ja, definitiv. Die Ängste rund um AI sind nicht unbegründet. Ich beschäftige mich auch außerhalb der Musik mit dem Thema, unter anderem im Betriebsrat eines mittelständischen Unternehmens im Bereich des IT-Ausschusses. Dabei tauchen immer wieder ähnliche Fragen auf: Ist eine Anwendung ein Werkzeug oder ein Ersatz? Wer profitiert davon? Wer verliert dadurch vielleicht etwas? Und welches Schadenspotenzial entsteht?

Auch in der Musik sind diese Fragen wichtig. Ich sehe AI-Musik nicht einfach unkritisch. Für mich ist entscheidend, dass AI ein Werkzeug bleibt und nicht der Mensch komplett aus dem kreativen Prozess verschwindet.

Ich würde mir wünschen, dass sich Anwendungen wie Suno und ähnliche Systeme langfristig eher in Richtung professioneller, intelligenter DAWs entwickeln — also als Werkzeuge, mit denen man bewusst, gezielt und kreativ arbeiten kann. Nicht nur als Plattformen, bei denen Musik auf Knopfdruck entsteht.

Gleichzeitig glaube ich, dass Musik als Geschäftsmodell ohnehin schon stark unter Druck steht. AI greift genau dort an: bei Produktionskosten, Geschwindigkeit und Verfügbarkeit. Umso wichtiger wird es, dass wir transparent, fair und verantwortungsvoll mit diesen Möglichkeiten umgehen.

 

Welche Tipps würdest du anderen Künstlern geben, die AI in ihre kreative Arbeit integrieren möchten?

Mein wichtigster Tipp ist: offenbleiben, aber nicht beliebig werden.

Man sollte sich auf die Reise mit AI einlassen und neugierig ausprobieren, was möglich ist. Gleichzeitig hilft ein gutes Grundverständnis für Musik enorm. Man muss nicht alles perfekt beherrschen, aber je besser man Stimmungen, Instrumente, Dynamik und Songaufbau beschreiben kann, desto besser kann man die AI auch führen.

Prompting ist dabei eine eigene Sprache. Es ist nicht nur Technik, sondern auch Übersetzung: Man übersetzt Gefühle, Bilder und musikalische Vorstellungen in Worte. Das kann man lernen, und mit jedem Projekt wird man besser darin.

Wichtig finde ich auch, mit professionellen Modellen und seriösen Anbietern zu arbeiten — gerade, wenn es um Qualität, Rechte und Veröffentlichung geht.

Und mein vielleicht wichtigster Gedanke: Bleib du selbst. Frag dich immer wieder: Habe ich die AI geleitet, oder hat die AI mich geleitet? Wenn du diese Frage ehrlich beantwortest, bleibt die Musik näher bei dir.

Vielen Dank für das nette Interview!  (ck)

Mehr über den Künstler auf https://kibeats.com/artist/1535/westermood-by-christian-westerwald

 

 

 

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