Emotion + Algorithmus = M3T4M3N5CH

Er bezeichnet sich selbst als Fusion aus Mensch und Maschine, als grenzenloses AI-Musikprojekt, das sich nicht in ein Genre zwängen lässt. Wir stellen Euch heute den stillen Rebellen bei KIBEATS vor. 

 

Wer bist du und wie bist du auf die Idee gekommen, AI in deine Musikproduktion einzubinden? 

Hi, zunächst möchte ich mich herzlich bedanken, dass ich die Ehre habe, in eurer ersten Ausgabe dabei sein zu dürfen.

Zu mir: Mein Name ist Anatoli. Musik begleitet mich im Grunde schon mein ganzes Leben, allerdings weniger als Musikschaffender, sondern vor allem als Hörer. Ohne Musik geht es bei mir nicht. Als Jugendlicher habe ich angefangen, eigene Texte zu schreiben – leider sind sie mir über die Jahre abhandengekommen. Ich habe mich auch an der Gitarre versucht, aber ziemlich schnell gemerkt, dass mir dafür Talent und vielleicht auch Geduld fehlten. Vom Gesang möchte ich hier gar nicht erst anfangen. ;-)

Zur KI-Musik bin ich tatsächlich relativ spät gekommen. Ich hatte zwar immer wieder am Rande mitbekommen, dass es das gibt, habe es aber eher belächelt und beiseitegeschoben. Ich konnte nicht ahnen, was inzwischen alles möglich ist. Irgendwann – ungefähr im September 2025 – habe ich es dann doch ausprobiert: zunächst nur mit einem Spaßtext, um zu sehen, was möglich ist. Das Ergebnis hat mich positiv schockiert. Danach habe ich mich nach Jahren wieder an einen „richtigen“ Text gewagt, und das Resultat hat mich wirklich überzeugt. Meine Frau hat mich darin bestärkt, dass da Potenzial drinsteckt – und so nahm das Ganze seinen Lauf.

 

Wie beeinflusst die AI deine musikalische Identität und deinen persönlichen Stil?

Musikalisch war ich schon immer sehr breit aufgestellt. Deshalb habe ich auch direkt mit vielen Genres experimentiert, ohne mich einschränken zu wollen. Ich hatte plötzlich so viele Geschichten zu erzählen – und nicht alle passten in nur eine musikalische Richtung. Daher weiß ich selbst oft nicht, wie ein Song am Ende klingen wird. Manchmal habe ich eine konkrete Vorstellung, und am Ende wird es doch etwas ganz anderes. Genau das macht es für mich spannend.

 

Wie reagieren deine Fans auf die Kombination aus menschlicher und künstlicher Kreativität?

Ich bin erstaunt, wie schnell die KI-Community gewachsen ist – das wisst ihr ja selbst. Wer hätte vor ein paar Monaten noch gedacht, dass es eine KI-Musikzeitschrift geben wird? Insgesamt bekomme ich fast ausschließlich positive Rückmeldungen. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich von Anfang an nicht versucht habe, meine Musik als „echte“ Musik zu verkaufen. Ich war immer transparent damit, dass sie mithilfe einer KI entstanden ist. So überlasse ich es den Hörern, ob sie sich darauf einlassen möchten oder nicht.

 

Welche Vorteile und Herausforderungen siehst du in der Zusammenarbeit mit AI im Vergleich zu traditionellen Musikmethoden?

Der Vorteil liegt ganz klar in Zeit und Kosten. Welcher Musiker hat schon die Möglichkeit, mit einem Orchester zu arbeiten oder ungewöhnliche Instrumente auszuprobieren? Durch KI ist das quasi per Knopfdruck in wenigen Minuten möglich. Man kann schnell verschiedenste Ideen testen, die früher Wochen oder Monate gedauert hätten – oder vielleicht gar nicht umsetzbar gewesen wären.

Allerdings ist KI noch weit davon entfernt, perfekt zu sein. Genau darin liegt die Herausforderung: Es soll eben nicht alles gleich oder ähnlich klingen. Außerdem schleichen sich oft Fehler ein, die man mühsam ausbessern muss. Das ist knifflig und manchmal frustrierend. Ich habe auch schon mehrfach Songs komplett verworfen, weil ich bestimmte Macken einfach nicht herausbekommen habe.

 

Kannst du ein Beispiel nennen, bei dem die AI eine überraschende oder unerwartete musikalische Idee eingebracht hat?

Klar: Ich hatte einmal einen Text geschrieben, der eigentlich eher als Hip-Hop-Song gedacht war. Am Ende wurde daraus eine Hard-Rock-Nummer, weil es in der ursprünglichen Idee einfach nicht funktioniert hat. Ich habe dann verschiedene Stile ausprobiert – und voilà: Am Ende war es für mich genau richtig.

 

Wie denkst du, wird AI die Musikindustrie in den nächsten zehn Jahren verändern?

Schwere Frage. Wenn nicht alles von großen Musikkonzernen „zu Tode“ verklagt wird … wobei ich selbst dann glaube, dass KI aus der Musik nicht mehr wegzudenken sein wird. Ich vermute ohnehin, dass viele Mainstream-Produktionen schon seit Jahren KI-Tools nutzen, ohne dass Hörer es bewusst merken. KI ist da – und sie wird bleiben und wachsen.

 

Siehst du ethische Fragen oder Bedenken im Einsatz von AI in der Musik?

Auf jeden Fall. Ich kann die Sorgen von „klassischen“ Musikern absolut verstehen, und ich möchte nicht mit ihnen konkurrieren. Im Gegenteil: Ich unterstütze echte Künstler sehr gerne. Einen Künstler begleite ich zum Beispiel seit ein paar Jahren monatlich finanziell – nur mit einem kleinen Beitrag, aber besser als nichts. Ich bin von ihm überzeugt und halte ihn für einen großartigen Menschen.

Trotzdem möchte ich mir mein inzwischen so geliebtes Hobby nicht nehmen lassen. Auch wenn ich nicht glaube, dass ich meine Ausgaben jemals wieder reinholen werde, macht es mir einfach Spaß. Und es bedeutet mir viel, wenn ich anderen Menschen mit meiner Musik eine Freude machen kann. Die bisherigen Abrufzahlen bestätigen mich darin.

Gleichzeitig bin ich von Anfang an – und bis heute – überzeugt: KI-Musik sollte einer klaren Kennzeichnungspflicht unterliegen, gern auch mit anderen Vergütungsmodellen. Andernfalls befürchte ich, dass KI-Musik ihr schlechtes Image nie ganz ablegen wird. Mit Transparenz wäre alles offen, und die Hörer könnten selbst entscheiden. Vielleicht sogar mit einer Art „KI-Spotify“ – ich wäre sofort dabei, so etwas zu unterstützen.

 

Welche Tipps würdest du anderen Künstlern geben, die AI in ihre kreative Arbeit integrieren möchten?

Nehmt euch die Zeit, euch wirklich sauber damit auseinanderzusetzen. Veröffentlicht nicht jeden Schnellschuss, sondern nur das, wovon ihr überzeugt seid. Ladet nicht fünf Versionen desselben Songs hoch, nur weil ihr euch nicht entscheiden könnt. Lasst euch nicht von Hatern herunterziehen. Und das Wichtigste: Habt verdammt nochmal Spaß an dem, was ihr macht. In erster Linie macht ihr das für euch – alles andere ist Beiwerk.

 

Sein neues Album "Dunkelkind" ist soeben überall erschienen!

 

Mehr über den Künstler auf https://www.youtube.com/@M3T4M3N5CH

 

1