Promote yourself: Zwischen Press Kit und digitaler Identität
Die Musikindustrie hat sich in den letzten Jahren radikal verändert. Streaming-Plattformen, Kurzvideo-Content und algorithmische Reichweite bestimmen, wie Künstler entdeckt werden. Gleichzeitig betreten mit KI-generierten Musikprojekten völlig neue Akteure die Bühne. Vor diesem Hintergrund stellt sich eine berechtigte Frage: Braucht es überhaupt noch ein klassisches EPK (Electronic Press Kit) – und wenn ja, wie muss es für KI-Musiker aussehen?
Die kurze Antwort: Ja, ein EPK ist nach wie vor relevant. Die lange Antwort ist interessanter.
Das klassische EPK: Totgesagt, aber unverzichtbar
Ein EPK war lange Zeit ein Standard-Tool für Musiker: eine Sammlung aus Biografie, Pressefotos, Musik, Videos und Kontaktdaten – meist als PDF oder einfache Website. Es diente Journalisten, Veranstaltern und Labels als zentrale Informationsquelle.
Heute wirken solche statischen Press Kits oft überholt. Schließlich sind alle Informationen scheinbar ohnehin auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder Spotify verfügbar. Doch genau hier liegt das Problem: Diese Informationen sind fragmentiert, kontextlos und selten kuratiert.
Ein gutes EPK erfüllt weiterhin eine zentrale Funktion: Es bündelt die Identität eines Projekts an einem Ort – klar, strukturiert und kontrollierbar.
Wo liegt der Unterschied zwischen Artist Sheet und EPK? Die beiden werden oft verwechselt, erfüllen aber unterschiedliche Rollen.
EPK = ausführliche, interaktive Präsentation
Artist Sheet = kompakte One-Pager-Zusammenfassung
Warum KI-Musiker ein EPK sogar mehr brauchen als andere
Für KI-basierte Musikprojekte reicht es nicht, einfach nur Tracks zu veröffentlichen. Die entscheidende Frage lautet oft: Was genau ist dieses Projekt eigentlich?
Ist es ein virtueller Artist?
Ein menschlicher Produzent mit KI als Werkzeug?
Ein experimentelles Kunstprojekt?
Eine bewusst anonyme Marke?
Ein EPK wird hier zum entscheidenden Kontextgeber. Es erklärt nicht nur die Musik, sondern das gesamte Konzept dahinter. Gerade weil KI in der Musik noch polarisiert, schafft ein gut gemachtes EPK Vertrauen und Orientierung.
Vom Press Kit zur Experience
Das moderne EPK ist kein statisches Dokument mehr, sondern eher eine digitale Experience. Für KI-Musiker bedeutet das konkret:
1. Storytelling statt Standard-Bio
Die Geschichte hinter dem Projekt ist oft wichtiger als klassische Karriere-Stationen. Warum existiert dieser Artist? Welche Rolle spielt KI? Was ist die künstlerische Vision?
2. Transparenz schafft Glaubwürdigkeit
Das Thema KI ist sensibel. Wer offen kommuniziert, wie die Musik entsteht, positioniert sich klarer und vermeidet Missverständnisse.
3. Multimediale Präsentation
Ein zeitgemäßes EPK integriert:
eingebettete Tracks
visuelle Inhalte (z. B. AI-generierte Artworks oder Avatare)
Kurzvideos oder Social Clips
4. Plattformübergreifende Einordnung
Streamingzahlen, virale Momente oder Community-Wachstum sind heute Teil der künstlerischen Wahrnehmung – und gehören ins EPK.
Was in ein modernes KI-EPK gehört
Ein funktionales EPK für KI-Musiker sollte folgende Elemente enthalten:
Kurzprofil / Elevator Pitch
In wenigen Sätzen: Wer oder was ist dieses Projekt?
Konzeptbeschreibung
Der wichtigste Teil: Wie wird KI eingesetzt und warum?
Musik
Kuratierte Auswahl der wichtigsten Tracks
Visuelles Material
Hochwertige Bilder, Cover, ggf. virtuelle Identitäten
Pressetext
Direkt nutzbar für Medien
Zahlen & Referenzen
Streams, Placements, Kooperationen
Kontakt & Links
Schnell auffindbar und aktuell
Optional, aber besonders für KI spannend:
Ein „Behind the AI“-Abschnitt, der Einblicke in den kreativen Prozess gibt.
Ein EPK bringt dir nichts, wenn es nur existiert – entscheidend ist, wo und wie du es einsetzt. Man kann es sich eher wie ein „Zentral-Hub“ vorstellen, auf den du gezielt verweist, statt etwas, das Leute zufällig finden.
Wo setzt man ein EPK ein?
1. Presse & Blogs
Wenn du Redaktionen, Magazine oder Blogs anschreibst:
Link zum EPK statt langer Mail
Journalisten finden sofort:
Story
Zitate
Bilder
Musik
Ohne EPK wirkst du schnell unstrukturiert oder „unfertig“.
2. Playlists & Kuratoren
Beim Pitchen an Spotify-Playlists oder unabhängige Kuratoren:
EPK liefert Kontext zur Musik
Besonders wichtig für KI-Projekte (weil erklärungsbedürftig)
3. Booking & Kooperationen
Für:
Labels
Brands
Eventveranstalter
Ein EPK beantwortet sofort:
Wer bist du?
Wie klingst du?
Wie trittst du visuell auf?
Gerade bei KI-Artists: „Ist das ernst zu nehmen?“ wird hier entschieden.
4. Social Media (indirekt)
Du packst dein EPK nicht in jeden Post – aber:
Link in Bio (z. B. Linktree, eigene Seite)
Verweis in DMs bei Anfragen
Swipe-ups / Story-Links
5. Networking & Direct Outreach
Wenn du aktiv Leute kontaktierst:
A&Rs
andere Artists
Agenturen
Statt PDFs hin und her zu schicken: ein sauberer Link wirkt deutlich professioneller.
Wie setzt man ein EPK richtig ein?
1. Nicht mitschicken – verlinken
❌ Falsch:
„Hier ist mein 20-seitiges PDF…“
✅ Richtig:
„Hier ist mein EPK mit allen Infos & Musik: [Link]“
→ Weniger Reibung, mehr Klicks
2. Kontext vor dem Link geben
Niemand klickt blind.
Kurz erklären:
Wer du bist
Warum du dich meldest
Was die Person davon hat
Dann erst das EPK.
3. Zielgruppenspezifisch denken
Nicht jedes EPK muss gleich sein.
Presse → Story & Zitate wichtig
Labels → Sound & Zahlen wichtig
Brands → Image & Audience wichtig
Du kannst Versionen anpassen oder Schwerpunkte unterschiedlich gewichten.
4. Schnell erfassbar machen
Ein gutes EPK wird gescannt, nicht gelesen.
Wichtig:
klare Struktur
kurze Abschnitte
direkt sichtbare Musik
keine Textwüsten
5. Immer aktuell halten
Ein veraltetes EPK schadet mehr als gar keins.
Regelmäßig updaten:
neue Releases
aktuelle Zahlen
neue Visuals
Speziell für KI-Musiker
Hier ist der Einsatz sogar noch strategischer:
Du nutzt dein EPK nicht nur, um dich zu präsentieren – sondern um Missverständnisse zu vermeiden.
Setze es gezielt ein, wenn:
jemand nicht versteht, was dein Projekt ist
du Vertrauen aufbauen musst
du dich von „AI Spam“ abgrenzen willst
Kurz gesagt
Ein EPK ist kein „Nice-to-have“, sondern dein:
professioneller Einstiegspunkt in jede ernsthafte Anfrage
Wenn du es richtig einsetzt:
sparst du dir endlose Erklärungen
wirkst sofort strukturierter
erhöhst deine Chancen auf Features, Deals und Collabs
Weniger Pflicht, mehr strategisches Tool
Das EPK ist nicht verschwunden – es hat sich weiterentwickelt. Für KI-Musiker ist es nicht nur ein Pressetool, sondern ein strategisches Element der Markenbildung. Während klassische Artists oft ihre Karriere dokumentieren, müssen KI-Projekte ihre Existenz erklären.
Ein gutes EPK tut genau das – und wird damit vom simplen Infopaket zur entscheidenden Schnittstelle zwischen Kunst, Technologie und Publikum. Wer als KI-Musiker ernst genommen werden will, braucht mehr als gute Tracks. Ein durchdachtes EPK ist der Ort, an dem aus einem Experiment eine nachvollziehbare künstlerische Identität wird. Schreibt mir in die Kommentare, ob Ihr ein Template dazu haben möchtet (mit Notion erstellt). (ck)




