2026–2030: Wie sich der „AI Music Rights War“ wahrscheinlich entwickelt

Die aktuelle Katalog-Welle ist kein Endzustand, sondern der Beginn einer Phase, in der sich die Musikindustrie neu strukturiert. Zwischen 2026 und 2030 wird sich zeigen, dass der Markt nicht von einem einzelnen Akteur kontrolliert werden kann, sondern sich in mehrere Ebenen aufspaltet. 

Phase 1 (2026–2027): Rechte werden zu KI-Verhandlungsmacht

In der ersten Phase geht es vor allem um Positionierung. Große Rechteinhaber – insbesondere Universal Music Group, Sony Music Entertainment und Warner Music Group – versuchen, ihre Kataloge als „AI-ready assets“ zu definieren.

Das bedeutet konkret:

erste standardisierte KI-Lizenzmodelle entstehen

Trainingsrechte werden separat verhandelt

Kataloge werden juristisch in „AI-usable“ und „AI-restricted“ segmentiert

In dieser Phase entsteht vor allem eines: Unsicherheit wird in Preis verwandelt.

Phase 2 (2027–2028): KI-Plattformen werden lizenzpflichtig

Sobald Modelle wie Suno oder Udio skalieren, kippt das Verhältnis zwischen Plattformen und Rechteinhabern.

KI-Anbieter müssen dann:

pauschale Trainingslizenzen zahlen oder

revenue-based agreements akzeptieren oder

mit rechtlichen Risiken arbeiten

Der entscheidende Punkt:
Musik wird erstmals systematisch als Trainingsinfrastruktur bepreist.

Das führt zu einer neuen Marktlogik:

Nicht mehr nur Streaming ist monetarisierbar, sondern auch die „Nutzung im Modell“.

Phase 3 (2028–2029): Entstehung eines zweigeteilten Musiksystems

In dieser Phase trennt sich der Markt strukturell:

1. Lizenzierte Premium-Musik

Major-Kataloge

klare AI-Rechte

kontrollierte Trainingsdaten

hohe Lizenzgebühren

2. Open / fragmentierte Musikbasis

Indie-Künstler

User-generated Content

nicht vollständig lizenzierte Datenquellen

schwer durchsetzbare Rechte

KI-Systeme werden beide Welten nutzen – aber mit unterschiedlicher Qualität, Risiko und Kostenstruktur.

Phase 4 (2029–2030): Plattformen übernehmen die Verhandlungsmacht zurück?

Langfristig verschiebt sich das Kräfteverhältnis erneut.

Wenn KI-Musik massenmarktfähig wird:

Plattformen bündeln Nachfrage

sie verhandeln direkt mit Rechtekonsortien

neue „AI Music Clearing Houses“ entstehen wahrscheinlich

Die Rolle der Labels verändert sich erneut: von Datenbesitzern → zu Lizenz- und Infrastrukturverwaltern. Doch auch wenn sich die Rolle verschiebt, bleibt das zugrunde liegende Prinzip weitgehend gleich: die Maximierung von Kontrolle und Erlösen – oft im Spannungsfeld mit den Interessen der Kreativen. (Anm. d. Red.)

Das große Ergebnis: Kein Monopol, sondern ein Kontrollnetzwerk

Am Ende entsteht sehr wahrscheinlich kein vollständig kontrollierter Markt, sondern ein mehrschichtiges System:

Rechteinhaber kontrollieren Trainingszugang

KI-Plattformen kontrollieren Distribution generierter Musik

Plattformen wie Streamingdienste kontrollieren den Endkonsum

Die Macht verteilt sich also nicht zentral, sondern in einem Gleichgewicht aus gegenseitiger Abhängigkeit.

Kernaussage

Der wichtigste Shift ist nicht, dass Musik digital wird – sondern dass Musik zu einer verhandelbaren KI-Ressource wird. Und genau deshalb ist der aktuelle Katalog-Boom kein Peak, sondern der Beginn einer neuen Infrastruktur-Ökonomie. (ck)