30.000 Künstler machen mit: LANDRs Fair-Trade-AI-Programm gewinnt an Fahrt
Künstliche Intelligenz bleibt eines der umstrittensten Themen der Musikbranche. Während viele Künstler den Einsatz ihrer Werke zum Training von KI-Modellen kritisieren, verfolgt die kanadische Musikplattform LANDR einen anderen Ansatz: Zustimmung statt Datenscraping, Vergütung statt kostenloser Nutzung.
Jetzt meldet das Unternehmen einen wichtigen Meilenstein: Bereits 30.000 Künstlerinnen und Künstler haben sich freiwillig für das sogenannte Fair Trade AI Program angemeldet und ihre Musik für das Training zukünftiger KI-Werkzeuge freigegeben.
KI-Training – aber nur mit Zustimmung
Das Prinzip des Programms ist vergleichsweise einfach: Musiker, die ihre Musik über LANDR vertreiben und sämtliche Rechte an ihren Aufnahmen besitzen, können freiwillig entscheiden, ihre Songs für das Training von KI-Modellen bereitzustellen.
Im Gegenzug erhalten sie eine Beteiligung an den Einnahmen, die mit den daraus entstehenden KI-Produkten erzielt werden. LANDR schüttet nach eigenen Angaben 20 Prozent der Nettoerlöse entsprechender KI-Produkte anteilig an die teilnehmenden Künstler aus.
Ein Gegenmodell zum Datenscraping
Das Programm unterscheidet sich deutlich von vielen anderen KI-Angeboten der vergangenen Jahre.
Ein zentraler Kritikpunkt vieler Musiker lautet, dass ihre Werke häufig ohne Zustimmung oder Vergütung zum Training generativer KI verwendet werden. LANDR setzt dagegen auf ein Opt-in-Modell: Nur wer aktiv zustimmt, wird Teil des Trainingsdatensatzes. Zudem können Künstler ihre Teilnahme jederzeit für zukünftige Datensätze beenden. Bereits trainierte Modelle bleiben davon allerdings unberührt.
Nach Angaben des Unternehmens bleiben die Rechte an den eingereichten Songs vollständig bei den Urhebern.
Was wird eigentlich trainiert?
LANDR betont, dass die Musik nicht dazu verwendet wird, Songs zu kopieren oder Künstler zu imitieren.
Stattdessen analysieren die KI-Systeme musikalische Eigenschaften wie Melodie, Harmonie, Rhythmus, Tempo oder Klangfarbe. Diese Informationen sollen künftig dabei helfen, kreative Werkzeuge zu entwickeln – etwa intelligente Songwriting-Assistenten, Arrangement-Hilfen oder Tools für die Musikproduktion.
30.000 Künstler – ein deutliches Signal
Die Zahl von 30.000 Teilnehmern zeigt, dass viele unabhängige Musiker bereit sind, KI aktiv mitzugestalten – sofern Transparenz und eine faire Vergütung gewährleistet sind.
Gerade für Independent-Künstler eröffnet sich damit möglicherweise eine zusätzliche Einnahmequelle. Ob diese finanziell tatsächlich relevant wird, hängt allerdings davon ab, wie erfolgreich die auf den Datensätzen basierenden KI-Produkte künftig am Markt sind.
Die Debatte ist längst nicht beendet
Trotz des Erfolgs bleibt das Thema umstritten.
Kritiker weisen darauf hin, dass auch ein freiwilliges Modell Fragen aufwirft – etwa zur langfristigen Kontrolle über Trainingsdaten oder zur Höhe der Vergütung. Zudem können nur Künstler teilnehmen, die sämtliche Rechte an ihren Aufnahmen besitzen. Musik, an der Labels, Verlage oder weitere Rechteinhaber beteiligt sind, ist vom Programm ausgeschlossen.
Mit inzwischen 30.000 teilnehmenden Künstlern entwickelt sich LANDRs Fair-Trade-AI-Programm zu einem der bislang größten Modelle für ein freiwilliges und vergütetes KI-Training in der Musikbranche.
Während an anderer Stelle noch über Urheberrechtsverletzungen und Klagen diskutiert wird, zeigt LANDR einen alternativen Weg: KI-Training auf Basis von Zustimmung, Transparenz und Beteiligung der Urheber. Ob sich dieses Modell langfristig als Branchenstandard etabliert, bleibt abzuwarten – das Interesse vieler Musiker ist jedoch bereits heute deutlich sichtbar. (ck)
Quellen
Music Ally: 30,000 artists have opted in to LANDR Fair Trade AI Program (10. Juli 2026).
LANDR – Fair Trade AI Program: https://www.landr.com/fairai
LANDR Support: LANDR's Fair Trade AI Program
LANDR Pressemitteilung zur Einführung des Programms (2024)




