Wem gehört die Musik auf den Plattformen?

Der Streit zwischen Epidemic Sound und Meta zeigt: Die nächste große Auseinandersetzung der Musikindustrie dreht sich um die Kontrolle über digitale Nutzung

Musik war noch nie so einfach zugänglich – und gleichzeitig war die Frage nach ihrer Vergütung noch nie so komplex. Auf Plattformen wie Instagram, Facebook, TikTok und YouTube entstehen täglich Millionen von Videos mit Musik. Für Künstler, Verlage und Rechteinhaber stellt sich dabei eine zentrale Frage: Wer entscheidet über die Nutzung von Musik – und wer verdient daran?

Ein aktueller Rechtsstreit zwischen dem Musikdienst Epidemic Sound und Meta zeigt, wie schwierig diese Balance geworden ist. Ein US-Gericht hat eine weitere Copyright-Klage von Epidemic Sound gegen den Facebook-Mutterkonzern zunächst abgewiesen, dem Unternehmen aber die Möglichkeit eingeräumt, seine Vorwürfe anzupassen. Epidemic Sound wirft Meta vor, Musik aus seinem Katalog ohne ausreichende Lizenzierung auf Plattformen wie Instagram, Facebook und WhatsApp genutzt zu haben.

Musik als Treibstoff der Creator Economy

Der Fall ist mehr als ein Streit zwischen zwei Unternehmen. Er steht stellvertretend für eine grundlegende Veränderung der Musiknutzung.

Früher waren Labels, Radiosender und Streamingdienste die wichtigsten Gatekeeper. Heute entstehen große Teile der Musikwahrnehmung innerhalb sozialer Netzwerke. Ein Song kann durch ein einziges virales Video weltweit bekannt werden – gleichzeitig ist oft schwer nachvollziehbar, welche Rechte bei dieser Nutzung greifen.

Unternehmen wie Epidemic Sound haben genau für diese neue Welt Geschäftsmodelle entwickelt. Sie bieten Creatorinnen, Agenturen und Unternehmen lizenzierte Musik an, die unkompliziert in Videos eingesetzt werden kann. Damit positionieren sie sich zwischen klassischer Musikindustrie und moderner Content-Produktion.

Plattformen werden zu Musikunternehmen

Für große Technologieunternehmen ist Musik längst kein Nebenthema mehr. Meta, TikTok und YouTube sind nicht nur soziale Netzwerke, sondern wichtige Verbreitungsplattformen für Musik geworden.

Das verändert auch die Machtverhältnisse. Während früher Musikunternehmen entschieden, wie ihre Inhalte veröffentlicht und vermarktet werden, bestimmen heute zunehmend Plattformen die Bedingungen, unter denen Musik entdeckt und genutzt wird. Die großen Plattformen schließen zwar Lizenzvereinbarungen mit Labels und Verwertungsgesellschaften ab, doch die Vielzahl an Nutzungen durch Millionen von Creatorn macht die Kontrolle schwierig. Genau an diesem Punkt entstehen immer wieder Konflikte.

Die KI-Debatte verschärft die Situation

Die Diskussion bekommt durch Künstliche Intelligenz eine zusätzliche Dimension. Wenn Plattformen künftig noch mehr KI-generierte Songs, Sounds und Videos hosten, wird die Frage nach Herkunft, Lizenzierung und Vergütung noch komplizierter.

Wer besitzt die Rechte an einem KI-generierten Sound? Wer muss bezahlt werden, wenn ein Algorithmus mit bestehender Musik trainiert wurde? Und wie können Plattformen zwischen legaler Nutzung, Inspiration und Urheberrechtsverletzung unterscheiden?

Diese Fragen beschäftigen derzeit Gerichte, Musikunternehmen und Technologieanbieter weltweit.

Die Zukunft der Musikrechte wird auf Plattformen entschieden

Der Streit zwischen Epidemic Sound und Meta ist deshalb ein wichtiger Hinweis darauf, wohin sich die Musikindustrie entwickelt. Es geht nicht mehr nur darum, CDs, Downloads oder Streams zu verkaufen. Es geht um die Kontrolle über jede einzelne Nutzung in einer digitalen Umgebung, in der Musik überall auftauchen kann.

Für Künstler und Rechteinhaber wird entscheidend sein, dass neue Geschäftsmodelle nicht nur Reichweite schaffen, sondern auch faire Vergütung ermöglichen. Für Plattformen wiederum wird der Umgang mit Musikrechten zu einer der wichtigsten strategischen Herausforderungen der kommenden Jahre. Der Kampf um die Musikrechte im Internet hat gerade erst begonnen. (ck)

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