OnPlug Interview mit LENNYS – Gewinner des Global AI Contest
Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn! Wie hast du erfahren, dass du gewonnen hast, und was war dein erster Gedanke?
Vielen Dank!
Die letzten Stunden des Votings waren natürlich unglaublich spannend. Als schließlich feststand, dass „Menschen“ den Global AI Contest 2026 gewonnen hat, musste ich den Moment erst einmal verarbeiten. Ich war aufgrund der vielen emotionalen Rückmeldungen zwar überzeugt, dass der Song gute Chancen hat, aber mein erster Gedanke war trotzdem: „Das ist gerade nicht wirklich passiert, oder?“ Es war einer dieser Momente, in denen man sein eigenes Glück erst einmal hinterfragt, bevor man überhaupt realisiert, was gerade passiert ist.
Was bedeutet dir dieser Sieg persönlich?
Der Sieg ist für mich weit mehr als ein Pokal oder ein erster Platz.
Er zeigt, dass Geschichten und Gefühle Menschen erreichen können – unabhängig davon, mit welchen Werkzeugen sie entstanden sind. Gleichzeitig ist er eine Bestätigung dafür, dass sich Ausdauer lohnt. Hinter einem einzigen Song stecken oft unzählige Stunden kreativer Arbeit, die nach außen kaum sichtbar sind.
Kannst du den Song „Menschen“ in drei Worten beschreiben?
Ehrlich. Verbindend. Hoffnungsvoll.
Wie entstand die ursprüngliche Idee für „Menschen“?
Die ursprüngliche Idee stammt nicht von mir, sondern von Sonja Winnig. Geprägt von der Corona-Zeit und dem Verlust ihres Mannes vor vier Jahren veröffentlichte sie einen sehr persönlichen Text in einer Facebook-Gruppe. Ihre Idee war es, verschiedene Künstler dazu einzuladen, diesen Text musikalisch auf ihre eigene Weise zu interpretieren.
Als ich den Text gelesen habe, haben mich seine Ehrlichkeit und die starken Bilder sofort berührt. Für mich war schnell klar, dass ich daraus einen Song machen möchte – allerdings nicht als reine Vertonung, sondern als meine persönliche musikalische Interpretation.
Welche Geschichte oder Botschaft steckt hinter dem Song?
Für mich erzählt „Menschen“ davon, dass wir alle unsere eigenen Kämpfe austragen, auch wenn man sie von außen oft nicht erkennt.
Gerade in einer Zeit, in der häufig Unterschiede betont werden, wollte ich den Blick auf das richten, was uns verbindet. Jeder trägt Erinnerungen, Sorgen, Hoffnungen und Erfahrungen in sich. Genau darin liegt für mich das Menschsein.
Wenn der Song Menschen dazu bringt, für einen Moment innezuhalten oder mit etwas mehr Verständnis auf ihre Mitmenschen zu schauen, dann hat er seinen Zweck erfüllt.
Was war die größte kreative Herausforderung?
Die größte Herausforderung war es, die emotionale Tiefe des ursprünglichen Textes zu bewahren und ihr gleichzeitig eine neue Richtung zu geben.
Ich wollte den emotionalen Kern des Textes erhalten und gleichzeitig Hoffnung hörbar machen. Deshalb habe ich lange nach einer musikalischen Sprache gesucht, die beides zulässt: Schmerz und Zuversicht.
Die Verbindung aus melodischem Afro House und Soul-Amapiano war dafür genau das richtige Fundament. Trotzdem habe ich unzählige Versionen erstellt, Arrangements verändert und Instrumente ausgetauscht, bis Musik und Stimmung genau das ausdrückten, was ich beim Lesen von Sonjas Text empfunden habe.
Welche Rolle spielte KI bei der Entstehung des Songs – Inspiration, Text, Musik oder Produktion?
KI war für mich das Werkzeug, mit dem ich meine musikalischen Ideen umsetzen konnte.
Ich nutze sie nicht, um einen Song auf Knopfdruck entstehen zu lassen. Stattdessen arbeite ich in vielen einzelnen Schritten. Ich experimentiere mit verschiedenen musikalischen Ansätzen, höre sie kritisch an, verwerfe vieles wieder und entwickle daraus nach und nach die Richtung, die ich suche.
Gerade bei „Menschen“ sind so zahlreiche Versionen entstanden, bevor die endgültige Fassung feststand. KI beschleunigt viele kreative Prozesse, ersetzt aber nicht die Entscheidungen, die während der Entstehung getroffen werden müssen.
Wo endet für dich die Arbeit der KI und wo beginnt deine eigene Kreativität?
Für mich beginnt Kreativität mit der Entscheidung, was erzählt werden soll und warum.
KI kann musikalische Vorschläge machen. Welche Idee weiterverfolgt wird, welche verworfen wird und wann ein Song wirklich fertig ist, entscheidet aber immer der Mensch.
Ich sehe KI deshalb wie ein Instrument oder ein Tonstudio – sie erweitert meine Möglichkeiten, trifft aber keine kreativen Entscheidungen für mich.
Warum hast du dich entschieden, beim Global AI Contest mitzumachen?
Der Wettbewerb war für mich eine besondere Gelegenheit zu zeigen, dass KI-gestützte Musik weit mehr sein kann als eine technische Spielerei.
Ich wollte zeigen, dass moderne Werkzeuge und echtes Songwriting sich nicht ausschließen, sondern gemeinsam etwas schaffen können, das Menschen erreicht.
Was glaubst du, hat „Menschen“ von den anderen Einreichungen unterschieden?
Das lässt sich natürlich nur vermuten.
Ich glaube, „Menschen“ versucht nicht, möglichst spektakulär zu sein. Der Song nimmt sich Zeit, seine Geschichte zu erzählen, und überlässt den Hörern Raum für ihre eigenen Gedanken.
Viele Rückmeldungen haben gezeigt, dass sich Menschen genau darin wiedergefunden haben. Vielleicht war das einer der Gründe, warum der Song so gut angekommen ist.
Hast du während des Wettbewerbs auch Songs anderer Teilnehmer gehört? Gab es etwas, das dich beeindruckt hat?
Ja. Tatsächlich habe ich mir einen großen Teil der Beiträge bewusst angehört. Das war mir wichtig, weil ich den Wettbewerb nicht nur als Teilnehmer, sondern auch als Zuhörer erleben wollte.
Besonders gefallen haben mir Andreas (RAW T) mit „Sounds Like You“, vor allem wegen der kreativen Vocoder-Elemente, und Christian (Westermood) mit „Madness in Germany“, weil er ein typisch deutsches Thema musikalisch auf eine sehr originelle und hochwertige Weise umgesetzt hat.
Insgesamt fand ich gerade die Vielfalt spannend. Obwohl alle mit KI arbeiten, klang am Ende kein Song wie der andere.
Welcher Satz aus „Menschen“ bedeutet dir am meisten – und warum?
„Doch wir tragen Hoffnung weiter, auch wenn keiner sie mehr sieht“
Dieser Satz beschreibt für mich etwas, das im Alltag oft untergeht. Viele Menschen glauben, sie könnten mit kleinen Gesten nichts verändern. Dabei sind es oft genau diese scheinbar unscheinbaren Momente – ein Gespräch, ein Lächeln, ein offenes Ohr oder einfach nur das Gefühl, nicht allein zu sein –, die für einen anderen Menschen einen echten Unterschied machen können.
Hoffnung muss nicht laut sein. Manchmal wird sie einfach von Mensch zu Mensch weitergegeben. Genau das wollte ich mit meiner Interpretation von „Menschen“ ausdrücken.
Welche Künstler oder Produzenten inspirieren dich?
Ich glaube, ich lasse mich weniger von Künstlern inspirieren als von Musik selbst.
Mein Musikgeschmack ist sehr breit gefächert. Ich höre genauso gerne PUR, Herbert Grönemeyer oder Peter Maffay wie Robin Schulz, Apache 207, moderne Afro-House- und Soulful-Amapiano-Produktionen, Reggae, Bachata, Hardstyle oder klassische Musik.
Was mich fasziniert, ist nicht das Genre, sondern der Moment, in dem ein Song etwas mit mir macht. Wenn Musik mich emotional erreicht oder eine Geschichte erzählt, die mich berührt, dann ist sie für mich gut – unabhängig davon, wer sie geschrieben oder produziert hat.
Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum ich mich selbst nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen möchte.
Was können wir als Nächstes von LENNYS erwarten?
Aktuell arbeite ich an meinem ersten Album.
Die Songs erzählen persönliche Geschichten über Familie, Erinnerungen und Erfahrungen, die mich geprägt haben. Jeder Titel steht für einen Abschnitt meines Lebens und soll nicht nur gehört, sondern erlebt werden.
Wenn du deinem „Ich“ vor Beginn des Wettbewerbs einen Rat geben könntest – welcher wäre das?
Mach dir weniger Gedanken darüber, was andere denken.
Konzentriere dich auf das, was du erzählen möchtest, und bleib deinem eigenen Weg treu. Es wird immer unterschiedliche Meinungen geben. Entscheidend ist, dass man Musik macht, hinter der man selbst stehen kann.
Und zum Abschluss:
Vielen Dank für das Interview und das Interesse an meiner Musik. Ich freue mich sehr über die Möglichkeit, meine Geschichte erzählen zu dürfen. Wenn „Menschen“ den einen oder anderen dazu bewegt, einen Moment innezuhalten oder mit etwas mehr Verständnis auf seine Mitmenschen zu schauen, dann hat der Song genau das erreicht, was ich mir gewünscht habe.
Danke Für Deine Teilnahme, Deinen Einsatz und diese tolle Hintergrundgeschichte. Das gesamte KiBeats Team hat mit Euch mitgefiebert und wir hoffen sehr, dass Du und alle Anderen im kommenden Jahr wieder dabei sein werdet. (ck)




