Autoren und ihre bösen, kleinen Gewohnheiten

Von Krimis, KI-Slop und der Faszination für dunkle Geschichten zwischen Southern Gothic und Dark Americana.

Als Krimiautor entwickelt man mit der Zeit so einige merkwürdige Angewohnheiten. Man sammelt skurrile Zeitungsartikel, interessiert sich für ungelöste Fälle und hört Musik, die viele andere vermutlich als reichlich düster empfinden würden.

Heute gibt es deshalb mal einen etwas persönlicheren Beitrag.

Der AI Slop im Buchmarkt ist inzwischen mindestens genauso problematisch wie in der Musikbranche. Wer möchte schon Monate an einem Manuskript arbeiten, wenn eine KI in wenigen Minuten einen Roman ausspuckt? Und das am Ende vielleicht für 30 Cent pro Download? Für mich ist das keine besonders motivierende Vorstellung mehr.

Also wohin mit der kreativen Energie, wenn man Geschichten erzählen möchte?

In meinem Fall landet sie immer öfter in Songtexten. Denn wenn es ein Musikgenre gibt, das vom Storytelling lebt, dann ist es Southern Gothic beziehungsweise Dark Americana.

Manche Geschichten gehören nicht zwischen Buchdeckel. Manche brauchen eine alte Gitarre, einen staubigen Highway und eine Stimme, die von Dingen erzählt, über die niemand mehr spricht.

Diese Musik stammt ursprünglich aus den Südstaaten der USA – aus den Sümpfen Louisianas, entlang des Mississippi und aus den Appalachen. Statt von Liebe und Herzschmerz erzählen die Songs von alten Legenden, Geistergeschichten, Mörderballaden, religiösem Wahn, Schuld und Erlösung. Geschichten, die über Generationen weitergegeben wurden und deren wahrer Ursprung längst im Nebel der Zeit verschwunden ist.

Genau das fasziniert mich an diesem Genre. Es geht weniger um eingängige Hooks als um Atmosphäre. Slide Guitar, Dobro, Hammond-Orgel oder eine einsame Akustikgitarre treffen auf schwere, manchmal schleppende Rhythmen und eine Stimme, die eher erzählt als singt.

Jeder Song wirkt wie ein kleines Kapitel aus einem Roman. Vielleicht fühlt es sich deshalb auch gar nicht wie ein Genrewechsel an. Ich erzähle immer noch Geschichten – nur eben nicht zwischen zwei Buchdeckeln, sondern in drei bis fünf Minuten Musik.

Southern Gothic / Dark Americana Playlist

Wenn ihr Lust auf düstere Geschichten, staubige Highways, verlassene Kirchen und eine gute Portion Südstaaten-Atmosphäre habt, hört doch einmal hinein: Zur Playlist auf kibeats.net

Zugegeben: Das ist wahrscheinlich nicht die typische Musik für einen heißen Sommertag. Eher etwas für verregnete Herbstabende oder kalte Wintertage. Aber vielleicht teilt ja der eine oder die andere von euch genau diese kleine, böse Gewohnheit mit mir. (ck)

 

 

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