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The Tales of Pvt. Michael - Episode 1 - The Wind of Aberdeen

Michael Allocca
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“The Tales of Pvt. Michael” erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der im Jahr 1794 bei den Gordon Highlanders in den Militärdienst eintritt. Wir begleiten ihn und das Regiment von seiner Gründung bis zur Schlacht von Waterloo.

**Datum:** 29. Juni 1794

**Ort:** Aberdeen

**Wetter:** Kalter Wind vom Meer, flacher Regen

**Militärische Lage:** Neue Anwerbungen für das Regiment des Duke of Gordon

**Persönliche Notiz:** Ich habe den Namen gesetzt, obgleich ich kaum weiß, was ich mir damit gekauft habe. Doch daheim war nichts mehr, das mich hielt, außer Schulden und dem Blick meiner Mutter.

 

 

Der Regen roch nach Salz, Teer und nasser Wolle, als Michael am Kai von Aberdeen stand und die Hände tief in den groben Stoff seines Mantels schob. Über ihm kreischten Möwen. Vor ihm stampften Pferde im Schlamm, Wagenräder knirschten über Stein, und zwischen den Laderampen drängten sich Männer, die noch gestern Fischer, Knechte oder Weber gewesen waren.

 

Michael war einer von ihnen. Ein junger Mann ohne Land, ohne Erbe, ohne Aussicht auf mehr als schlechte Arbeit und knappe Mahlzeiten. In seinem Dorf hatte man längst begonnen, von Krieg zu sprechen, als sei er ein Wetter, das irgendwo hinter dem Meer aufziehe. Nun war er hier, weil die Armee jeden nahm, der gerade stehen und ein Gewehr tragen konnte.

 

Am Sammelplatz stand ein Sergeant mit hartem Gesicht und einer Stimme wie ein Donnerschlag. Neben ihm musterte ein älterer Highlander die neuen Männer mit sichtbarem Zweifel. Sein Haar war bereits grau an den Schläfen, seine Haltung jedoch so straff wie ein gespannter Riemen.

 

Der Sergeant rief die Namen auf. Als Michael vortreten wollte, blieb er mit dem Absatz im nassen Boden hängen und fing sich erst im letzten Augenblick. Ein paar Männer lachten. Der ältere Highlander nicht.

 

"Name?"

 

"Michael Grant, Sir."

 

"Kein Sir für mich", sagte der Sergeant knapp. "Noch nicht einmal ein rechter Soldat, und schon verschwendest du Höflichkeit. Stell dich ein."

 

Später, als die Reihe gelöst wurde und der Wind stärker über den Platz fuhr, trat der ältere Highlander zu ihm. Er trug die Kleidung eines Mannes, der den Militärdienst schon kannte, auch wenn Michael nicht sagen konnte, woran er es genau sah. Vielleicht an den Schuhen. Vielleicht an der Ruhe.

 

"Du hast Hände für eine Forke, nicht für eine Muskete", sagte der Mann.

 

Michael hob das Kinn. "Dann werde ich es lernen."

 

Der Alte verzog kaum den Mund. "Lernen müssen sie es alle. Die Frage ist nur, wer lang genug lebt, es gut zu können."

 

Er hieß Iain Macrae und war als erfahrener Unteroffizier zu den neuen Kompanien gestellt worden. In den Wochen danach wurde er für Michael zum Maß aller Dinge, die ihm fehlten: Geduld, Härte, Gleichmaß. Auf dem Exerzierplatz bei Fort George lernte Michael, wie schwer eine Muskete nach Stunden in den Armen wurde, wie rasch die Schultern vom Trageriemen wundscheuerten und wie gründlich Hunger jeden Stolz zurechtstutzen konnte.

 

Die Männer wurden gedrillt, ausgerichtet, gescholten, wieder auseinandergezogen und neu geordnet. Manche fluchten, manche prahlten, manche dachten bereits an Desertion. Michael dachte oft nur daran, den nächsten Befehl nicht zu verfehlen.

 

Eines Abends, als die Dämmerung über den Mauern von Fort George lag und der Wind vom Firth her kalt in die Knochen griff, brach ein junger Rekrut aus Banff in Tränen aus, weil er sich beim Laden wieder und wieder vergriffen hatte. Einige lachten. Michael nicht. Er kannte die Scham, die in den Hals stieg wie bittere Galle.

 

Macrae trat vor den Jungen, sah ihn einen langen Augenblick an und nahm ihm dann wortlos die Muskete aus der Hand. Er führte die Bewegungen einmal langsam vor. Dann gab er sie zurück.

 

"Noch einmal", sagte er.

 

Als der Junge es diesmal schaffte, nickte Macrae nur. Später sagte er zu Michael, ohne ihn anzusehen: "Aus hastig geworbenen Männern wird nur dann ein Regiment, wenn sie einander nicht beim ersten Fehler zerreißen. Merk dir das."

 

Im August kam der Marschbefehl nach Southampton. Dort lagen die Schiffe, und mit ihnen das erste wahre Gewicht des Krieges. Kein Rekrutieren mehr, kein Reden von fernen Küsten, sondern Planken, Segel, Fässer, Pulver und die enge Gewissheit, dass das Meer einen von Schottland trennen konnte wie ein Messer.

 

Am Morgen des Aufbruchs stand Michael mit seinem Bündel in der Hand am Rand der Straße. Hinter ihm lag das Land seiner Kindheit. Vor ihm der lange Weg nach Süden. Die Kolonne setzte sich unter Trommelschlag in Bewegung.

 

Macrae trat neben ihn.

 

"Nun, Grant", sagte er, "noch Zeit davonzulaufen."

 

Michael sah nicht zurück. "Nein. Jetzt nicht mehr."

 

Macrae nickte, als hätte er auf nichts anderes gewartet.

 

So verließ Michael Aberdeen nicht als Held und nicht einmal als fertiger Soldat. Nur als einer von vielen. Doch zum ersten Mal seit Jahren trug er etwas mit sich, das schwerer wog als Angst: die Möglichkeit, ein anderer zu werden.

 

 

**Spätere Notiz, Southampton, Ende August 1794:** Der Geruch des Hafens ist stärker als jeder Stall daheim. Die Schiffe warten. Manche Männer sprechen von Gibraltar, andere von Orten, die ich nie gehört habe. Niemand weiß viel, aber alle tun, als wüssten sie genug. Sergeant Macrae sagt, auf See werde man rasch still. Ich glaube, er hat recht.