Alibaba steigt ins Artist-Business ein: Werden Tech-Konzerne die neuen Musik-Majors?
Die Grenzen zwischen Technologieunternehmen, Entertainment-Plattformen und klassischen Musikfirmen verschwimmen weiter. Mit ORCA startet Damais International ein neues Artist-Development-Label, das globale Talente entdecken und zu internationalen Acts entwickeln soll. Hinter dem Projekt steht mit Alibaba einer der größten Tech-Konzerne der Welt.
Die weltweite Ausschreibung „All My Anecdotes Global Audition“ soll als Talentpipeline für zukünftige Projekte dienen. Gesucht werden Künstler:innen unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft. Ausgewählte Talente erhalten Training, Produktionsunterstützung und Zugang zu einem internationalen Entwicklungsprogramm.
Vom Label zum Entertainment-Ökosystem
Der eigentliche Wandel liegt nicht in der Gründung eines weiteren Labels. Entscheidend ist die Infrastruktur dahinter.
Während traditionelle Musikunternehmen meist einzelne Bereiche kontrollieren – etwa Aufnahmen, Marketing oder Vertrieb – entstehen heute immer größere Entertainment-Ökosysteme.
Alibaba bringt mit Damai bereits Erfahrungen aus Ticketing, Live-Entertainment, Eventmanagement und Content-Produktion mit. Mit ORCA kommt nun die Entwicklung von Künstler:innen hinzu.
Die Frage lautet deshalb:
Werden die erfolgreichsten Musikunternehmen der Zukunft überhaupt noch klassische Labels sein – oder Plattformen, die den gesamten Weg vom Talent bis zum Fan abbilden?
Eine neue Ära der Künstlerentwicklung
Das Modell erinnert an die globale Strategie moderner Popindustrien: Talente werden nicht nur entdeckt, sondern langfristig entwickelt – mit Training, Content-Strategie, visueller Identität und internationaler Vermarktung.
Für Künstler:innen entstehen dadurch neue Chancen. Der Zugang zu professioneller Entwicklung wird globaler und weniger abhängig von klassischen Musikmetropolen. Gleichzeitig wächst aber auch die Abhängigkeit von großen Plattformen. Wer Zugang zu den wichtigsten Tools, Daten und Vermarktungswegen kontrolliert, beeinflusst zunehmend, welche Künstler sichtbar werden.
Die neue Machtfrage der Musikindustrie
Nach Streamingplattformen, Distributoren und Ticketing-Anbietern entsteht eine weitere Ebene der Plattformisierung: Unternehmen wollen nicht mehr nur Musik ausliefern – sie wollen die Künstler dahinter aufbauen.
Die Musikindustrie bewegt sich damit in Richtung eines integrierten Modells:
Talent → Entwicklung → Content → Community → Live-Erlebnis
ORCA ist deshalb nicht nur ein neues Label. Es ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die nächste Generation der Musikunternehmen vor allem eines sein wird: Infrastruktur. (ck)




