Interview mit Westermood - Zweitplatzierter beim GAC

Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Platz! Was ging dir durch den Kopf, als das Ergebnis feststand?

Ehrlich gesagt, war ich an diesem Tag komplett durch. Ich habe bis kurz vor 15 Uhr gearbeitet und gleichzeitig mit Lenny gefühlt schon unser persönliches WM-Finale vorgezogen. Am Ende lagen wir im Hörer-Voting fast gleichauf – es war wirklich eine absolut offene Sache.

Für mich war das komplett surreal. Ich bin mit realistischen, aber nicht überzogenen Erwartungen in den Wettbewerb gegangen. Dass am Ende der zweite Platz dabei herauskommt, hat meine Erwartungen deutlich übertroffen. Ich war einfach geflasht, dankbar und auch ein Stück weit überwältigt.

 

Was war die Idee oder Geschichte hinter deinem Wettbewerbsbeitrag?

Als klar war, dass ich am GAC 2026 teilnehmen möchte, stellte sich relativ schnell die Frage: Was reiche ich dort eigentlich ein? Für mich war sofort klar, dass es kein bestehendes Projekt sein sollte, sondern ein neues, speziell für diesen Wettbewerb entwickeltes Werk.

Gleichzeitig hatte ich immer die Frage im Hinterkopf: Könnte dieser Song theoretisch für Deutschland bei einem internationalen Wettbewerb wie dem Eurovision Song Contest antreten?

Daraufhin habe ich eine intensive Kreativ- und Analysephase gestartet. Am Ende bin ich bei einem Thema gelandet, das für Deutschland fast schon schmerzhaft typisch ist: Bürokratie.

Sehr schnell hatte ich dabei ein klares Bild im Kopf: die berühmte Passierschein-A38-Szene aus Asterix erobert Rom – dieses absurde, überdrehte Behördenchaos. Zusätzlich hatte ich das Intro des Eurovision Song Contest 2025 aus der Schweiz im Ohr, das mir ein Gefühl für Größe, Inszenierung und Dramaturgie gegeben hat.

Auch Einflüsse aus meinem vorherigen Fusion-Funk-Album DNA haben noch nachgehallt und sind in die musikalische Richtung eingeflossen.

 

Wie hast du KI in deinem kreativen Prozess eingesetzt – und wo war deine eigene Handschrift besonders wichtig?

Der erste Schritt war für mich der Text. Ich wollte Alltagssituationen, Bilder und dieses typische Gefühl von deutscher Bürokratie greifbar machen. Relativ schnell war mir klar, dass sich die Hook klar auf das Thema Bürokratie zuspitzen muss. Von dort aus habe ich mich lyrisch Schritt für Schritt an die finale Version herangearbeitet.

Die eigentliche Hauptarbeit lag aber in der Kuration und im Prompting. Für mich war wichtig, keinen Standardaufbau und keine klassischen Harmonieschemata zu bedienen. Der Song sollte nicht einfach nur „funktionieren“, sondern die Geschichte musikalisch erzählen und unterstützen.

Ich sehe KI dabei nicht als Ersatz, sondern als Werkzeug und Instrument. Meine eigene Handschrift lag vor allem darin, Richtung, Auswahl, Dramaturgie und emotionale Wirkung zu steuern. Der Song sollte einerseits im Sinne meiner Idee von Bedarfsmusik den Text und die Geschichte unterstützen, andererseits aber auch meine Werte von Westermood widerspiegeln: musikalische Tiefe, gesteuerte Virtuosität, Komplexität und ein klarer emotionaler Anspruch.

 

Gab es während der Entstehung einen Moment, der dich überrascht oder herausgefordert hat?

Ja, definitiv. Die größte Herausforderung war die Komplexität des Stückes. Ich habe extrem viele Schleifen gedreht, teilweise auch mit kompletten Neuanfängen in der Kuration und im Prompting.

Ich habe mich im Grunde von vorne nach hinten durch den Song gearbeitet und musste immer wieder sehr bewusst entscheiden: Wo soll dieser Teil emotional hin? Was braucht die Geschichte genau an dieser Stelle? Wann ist es zu viel, wann noch nicht mutig genug?

Ursprünglich wollte ich im Pre-Chorus einen sehr markanten Halfbeat in den Drums einbauen. Nach gefühlt 50 gescheiterten Prompt-Schleifen habe ich diese Idee irgendwann verworfen. Das war tatsächlich ein guter Lernmoment: Manchmal muss man eine Idee loslassen, wenn sie dem Gesamtwerk nicht mehr dient oder man vor der KI resigniert.

 

Was bedeutet dir diese Platzierung persönlich?

Diese Platzierung bedeutet mir sehr viel. Zum einen ist es überwältigend, zum anderen macht es mich auch wirklich stolz.

Ich bin unter anderem beim GAC angetreten, um mir selbst zu beweisen, dass ich in der Lage bin, einen contestfähigen Song zu entwickeln und einzureichen. Dass sowohl die Jury als auch das Publikum so positiv darauf reagiert haben, hat mich in meinem Weg absolut bestätigt.

Gerade weil ich mit Westermood versuche, KI-Musik nicht nur als Experiment, sondern als ernstzunehmende kreative Ausdrucksform weiterzuentwickeln, ist dieser zweite Platz für mich ein starkes Signal: Der Weg ist richtig. Und das fühlt sich unglaublich gut an.

 

Nimmst du etwas aus dem Wettbewerb mit, das deine zukünftige Musik beeinflussen wird?

Sehr viel. Musikalisch, kreativ und auch menschlich.

Eines der wichtigsten Dinge an diesem Contest waren für mich die Begegnungen, der Austausch und das Feedback. Es haben so viele tolle Künstlerinnen und Künstler teilgenommen, mit denen ich während des Wettbewerbs und auch danach in Kontakt gekommen bin. Das ist für mich unbezahlbar.

Ich nehme aus dem Wettbewerb mit, meiner Linie treu zu bleiben. Gleichzeitig möchte ich mich weiter professionalisieren, noch klarer werden in meiner eigenen Klangsprache und noch bewusster daran arbeiten, was Westermood eigentlich ausmacht.

An dieser Stelle möchte ich mich auch ausdrücklich bei allen bedanken, die diesen Wettbewerb organisiert, begleitet, unterstützt und mitgestaltet haben. So ein Contest lebt nicht nur von den Songs, sondern von den Menschen dahinter – und dafür bin ich wirklich dankbar.

 

Woran arbeitest du als Nächstes – dürfen wir uns schon auf neue Musik freuen?

Aktuell arbeite ich sehr stark an der eigenen Audio Identity von Westermood. Außerdem beschäftige ich mich intensiv mit Projekten im Bereich Bedarfsmusik – besonders für Social Media, Brand Identity und emotionale Klangkonzepte.

Ich möchte mich perspektivisch stärker vom klassischen Artist-Dasein hin zu einem Unternehmen für Bedarfsmusik entwickeln. Deshalb sind vorerst keine klassischen EPs oder Alben geplant.

Das heißt aber nicht, dass es musikalisch ruhig wird. Im Gegenteil: Für Contests, Compilations oder andere kreative Projekte bin ich absolut offen. Wenn mich eine Idee packt, bin ich sofort dabei.

Westermood bleibt für mich ein Raum für Klang, Gefühl und kreative Entwicklung – nur mit einem immer klareren Fokus.

 

Vielen Dank für das tolle Interview! Wir hören bestimmt bald wieder von Dir! (ck)

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